„Entdecke die Buddha-Natur in dir!“ Dieser Aufforderung können inzwischen wieder Millionen von chinesischen Buddhisten folgen. Ca. 350 km südwestlich von Beijing liegt das Gebirgsmassiv des Wutai Shan, der seit über 1500 Jahren das wichtigste Zentrum des chinesischen Buddhismus darstellt. Nach den barbarischen und zerstörerischen Jahren der maoistischen Kulturrevolution von 1966–1976 ist die Region eine Attraktion ersten Ranges für Besucher aus ganz Asien geworden und öffnet sich nun dem internationalen Tourismus.

Seit jeher bejaht das chinesische Denken das Prinzip der Veränderung als Grundlage aller Dinge. Veränderung und Vielfalt sind keine Illusionen, die irgendwie überwunden werden sollten, sondern sie sind die Natur aller Dinge. Erleuchtung ergibt sich in der Verwirklichung der positiven Kräfte in uns und nicht durch die Befreiung von einer an sich schlechten Natur. Wie aus dem trüben Sumpf eine blütenweiße Lotusblume wachsen kann, so kann die allgegenwärtige Buddha-Natur in jedem Menschen erblühen.

Fast 70 Klöster sind auf den fünf Bergterrassen und im zentralen Tal des Wutai Shan verteilt. Hierher strömen Menschen verschiedenster Herkunft zusammen. Es sind einfache Bauern aus der Provinz Shanxi, neureiche Geschäftsleute aus Beijing, Shanghai oder Shenzen, kommunistische Parteifunktionäre, uniform gekleidete Gruppen aus Japan und Korea, mongolische Nomaden und tibetische Pilger, die oftmals zu Fuß aus ihrer Tausende Kilometer entfernten Heimat anreisen.

Im Gegensatz zu den meist aus einem Bauwerk oder einem Grab bestehenden Wallfahrtszielen des Christentums und des Islam sind chinesische Pilgerziele Naturgebilde, und zwar Berge. Da im dao-buddhistischen Weltbild jedes Gebäude eine Verletzung der natürlichen Harmonie darstellt, waren die Architekten sehr darum bemüht, die von ihnen geschaffenen Klöster der Landschaft anzupassen. Architektur und Natur sollten keine Gegensätze bilden, sondern in einer harmonischen Beziehung zueinander stehen.

Dr. Christoph Baumer hat das Gebiet um den Wutai Shan ausgiebig bereist und erforscht. Sehr sachkundig und leicht verständlich führt er den Leser in die Welt des chinesischen Buddhismus ein, um dann ausführlich die Klöster mit ihren Kunstgegenständen vorzustellen. Mit zahlreichen Äbtissinnen, Äbten und Mönchen hat er Gespräche geführt. Er hat Pilger auf ihren Pilgerwegen begleitet und all dies in hervorragender Weise fotografisch dokumentiert. Zahlreiche historische Karten und farbige Panoramakarten veranschaulichen die geografischen Gegebenheiten des wie ein großes dreidimensionales Mandala wirkenden Wutai Shan.

Mit diesem Bildband liegt nun das Standardwerk über den heiligsten Berg Chinas und dem spirituellen Mittelpunkt des chinesischen Buddhismus vor.

336 S., 49,95€